HESKE HOCHGÜRTEL LOHSE   ARCHITEKTEN

Gestaltung und Einbindung eines Parkhauses in das Burfeld

Ansicht von Norden, Hafenstraße

Grundlagen
Der Standort des neuen Parkhauses Burgfeld im Böschungsbereich zwischen Burgtorwiese respektive Peter-Rehder-Park und Hafenstraße stellt maximale Anforderungen an die bauliche, außenräumliche und verkehrliche Lösung.
Auf allen drei Feldern greift das Vorhaben in die über Jahre gewachsene und bisher wiederholt und unabhängig voneinander überformten Bestände ein. Während der Verkehr aller Gattungen, Wiese und Böschung schon immer mehrfach schnitt und fragmentierte, blieb die Baumkulisse, als bestimmendes Element auf dem oberen Terrain stets erhalten. Der neue Baustein eines Hochbaus bildet somit neben Verkehr und Grün eine dritte Komponente zur Gestaltung einer funktionalen und ästhetischen Lösung.

Der Entwurf für das Parkhaus realisiert mindestens 326 Stellplätze auf drei Ebenen und auf der grundrisslichen Basis der durch den Auftraggeber gelieferten Studie. Deren Anordnung wird gemäß dieser plausibilisiert.
Um den Baukörper und somit den Eingriff in den Hügel im Bereich des natürlichen Brückenkopfes und unterhalb der schützenswerten Bäume bestmöglich zu reduzieren, werden die Spindelerschließungen durch innere Rampen ersetzt. Das somit verkürzte und geometrisch verklarte Volumen wird entlang der ehemaligen Böschungskante der Fährstraße bestmöglich in Richtung Gertrudenstraße geschoben. Es ergibt sich hier, mit optimaler Anbindung an einen bestehenden Verkehrsraum, eine Ein- und Ausfahrt auf dem Niveau des 1. OG. Die Zufahrt von der Travemünder Allee wird gemäß Studie im 2. OG realisiert und lediglich verlängert.

Das Halten der alten Böschungskante der Fährstraße stellt die wichtige grüne Kante entlang der gesamten Hafenstraße mit großer Tiefe frei. Durch die Anbindung des Parkhauses an die Gertrudenstraße kann ein Eingriff in das Böschungsband durch eine Ein- und Ausfahrt im Bereich der Hafenstraße vermieden. Ebenso die zusätzliche Bestückung dieses zuletzt im Gegenüber bereits hochwertig aufbereiteten Stadtraumes durch störende Lichtzeichen- und Verkehrsanlagen.

Parkhaus
Der Baukörper des Parkhauses strebt keine Erscheinung als Gebäude an. Einerseits aus Respekt vor den im Umfeld dominierenden Zeitzeugen aus Burg, Hubbrücke und Hafenschuppen, anderseits aus seiner eigenen untergeordneten Funktion heraus, tritt er mit keiner Fassade gänzlich an die Oberfläche. Stets verläuft sich die einfache luft- und lichtdurchlässige Hülle aus Streckmetall in Cortenstahl im grünen Böschungsband oder im Hügel der Burgtorwiese.
Durch die Anordnung eines Licht- und Luftschlitzes entlang der Nahtstelle aus Grün und Fassade, kann das Erdgeschoss des Baukörpers weitestgehend in die Böschung eingelassen werden. Die reduzierte Höhe wird durch den kompakten Abschluss und die Vermeidung einer zusätzlich auftragenden Brüstung verstärkt.

Der Raum zwischen Burg, Hafenkante und Burfeld erhält somit das historische Motiv des grünen Böschungsbandes zurück.

Auf dem Niveau der Burgtorwiese kann die Dominanz der Großbäume unter Erhalt der schützenswerten Bäume optimal erhalten werden. Aus deren imposanter Kulisse betritt der Besuchers des Peter-Rehder-Parks die neue Terrasse oberhalb des Parkhauses. Während die beiden vertikalen Auslässe der Erschließung als in der Fläche und im Volumen minimierte und transparente Objekte auf die Zugänglichkeitkeit des Parkhauses verweisen, bleibt dessen Volumen von oben verborgen. Die neue Kante erweitert Wiese und Park und die räumliche Qualität einer Terrasse, mit einem weiten Blick auf Altstadt und Hafen. Gewachsene Wegebeziehungen finden hier ein Ziel und binden an, an die neue Erschließung von Burgtor und Hansemuseum.

Fußläufige Erschließung
Das Parkhaus bietet mit einläufigen Treppen und einer natürlichen Belichtung eine klare Gestaltung und übersichtliche Struktur für den Personenverkehr innerhalb und durch das Gebäude. Weiterhin bietet der durchgehende Treppenraum eine bestmögliche soziale Kontrolle des gesamten Zugangs. Im Bereich des Erdgeschosses kann durch einen optionalen Stich durch die Böschung eine barrierefreie Erschließung auch direkt in die Hafenstraße realisiert werden.

Lüftung
Für das Parkhaus besteht eine natürliche Belüftung im Sinne der Gar-VO. Die luftdurchlässige Fassade, eine bemessungskonforme Anordnung von Querlüftungsöffnung auf der Hangseite und der Licht- und Luftschnitt an der Nahtstelle von Böschung und Fassade auf voller Länge, stellen die erforderlichen Lüftungsquerschnitte sicher. Eine Herausführung der Querlüfter bildet sich im Park mit minimalen und gestalterisch eingebundenen Elementen in einer weiten Anordnung ab.

Hochwasserschutz
Die Einbauposition jeder Lösung für den Neubau des Parkhauses erfordert den Schutz vor Hochwasser. Die Ausbildung des Erdgeschosses in WU-Betonkonstruktion, dessen Lagerung vor der aufgehenden Metallfassade und der Verzicht auf eine großflächige Durchdringung durch eine Zufahrt aus der Hafenstraße bildet den bestmöglichen Schutz und reduziert ein Wartungsrisiko bei Hochwasser auf den lediglich optionalen Personenzugang.

Fazit
Der Neubau des Parkhauses Burgfeld schafft mit 326 Stellplätzen eine für Bewohnerinnen und Bewohner und Besucherinnen und Besucher funktionale Lösung. Gleichzeitig minimiert das kompakte Volumen den Eingriff in den Hügel und die zurücknehmende Gestaltung rückt die Erstarkung des grünen Böschungsbandes und den Gewinn für Burgtorwiese und Park in Form der neuen Rehder-Terrasse in den Vordergrund. (HHL)